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Die Schnittstellen des PocketBook Touch Lux

PocketBook Touch Lux Aktuell lese ich auf einem kindle, bin aber aus vielerlei Gründen nicht glücklich damit. Die Geräte der Firma PocketBook scheinen mir im Moment eine der spannendsten Alternativen zu sein, nicht zuletzt wegen der vielen Möglichkeiten, Bücher auf den Reader zu laden. Ein E-Reader macht besonders Spaß, wenn der sich auch nahtlos in den digitalen Lese-Alltag integrieren lässt und man schnell auch unterwegs neue Bücher oder Dokumente an das Gerät schicken kann.

So testete ich meinen aktuellen »Text-Beschaffungs-Workflow« einmal auf einem PocketBook Touch Lux. Da inzwischen mit dem Touch Lux 2 bereits das Nachfolgemodell herausgekommen ist, ist dieser Beitrag zwar nicht mehr ganz aktuell, aber mir geht es vor allem darum, generell die Möglichkeiten durchzuspielen, die sich durch die Synchronisierungs-Optionen bieten.

Bücher kaufen
Der mir vorliegende Touch Lux stammt von der Mayerschen Buchhandlung und ist entsprechend gebrandet. Zusätzlich findet sich auf dem Reader eine App, die die Synchronisierung mit dem Shop der Mayerschen übernimmt. Man hinterlegt in der App lediglich die Zugangsdaten des Webshops, danach kann man direkt aus dem Kundenkonto heraus Bücher an den Reader schicken. Allerdings ist dieser Versand durch einen Zähler in der Häufigkeit eingeschränkt. Ebenso funktioniert das Senden nur aus einem Browser heraus. Die Shop-App, die sich ebenfalls noch auf dem Reader befindet, öffnet lediglich einen Hinweis, man solle bitte die Webseite besuchen.

Bei den »normalen« PocketBooks soll im Unterschied zu dem Mayerschen Modell ein Shop von Obreey integriert sein. Aber wie auch immer, das Schöne an einem Reader wie dem PocketBook ist ja ohnehin, dass man sich aussuchen kann, bei wem man kauft. Neben der Möglichkeit, Bücher per Kabel und der Adobe Digital Editions auf den Reader zu laden, kann man diese beim PocketBook Touch Lux auch per E-Mail oder Dropbox an den Reader senden. Dies funktioniert sogar mit acsm-Dateien, die der Reader eigenständig verarbeiten kann und anschließend das entsprechende E-Book direkt auf das Gerät herunterlädt.

Dropbox
Der PocketBook Touch Lux lässt sich auch mit einem Dropbox Account verbinden. Hierzu gibt man auf dem Gerät die Dropbox-Zugangsdaten ein und wählt das zu synchronisierende Dropbox-Verzeichnis aus. Alle E-Books, die man fortan in dieses Verzeichnis speichert, werden automatisch mit dem PocketBook-Reader synchronisiert. Die Synchronisation findet in beide Richtungen statt. Bücher aus dem Dropbox-Verzeichnis werden auf den Reader geladen, aber auch wieder von diesem entfernt, sollten sie sich nicht mehr im Dropbox-Verzeichnis befinden. Muss man wissen, kann aber auch hilfreich sein, wenn man mal das mobile Bücherregal auf dem Reader aufräumen möchte. Wer mobile Geräte nutzt, findet auch dort Apps zur Dateiverwaltung mit denen sich E-Books in das Dropbox-Verzeichnis kopieren lassen. Auf Android verwende ich gerne den ES Datei Explorer, der neben der Dropbox-Integration noch die Kommunikation mit weiteren Diensten oder Protokollen wie Google Drive, FTP oder der Windows Freigaben beherrscht. Auf iOS kann der GoodReader eingesetzt werden, letzterer kann zwar nur PDF- oder txt-Dateien darstellen, ePubs aber zumindest als Datei verwalten und an einen Speicherort kopieren.

E-Mail-Empfang
taz E-BookDie Möglichkeit E-Books per E-Mail an den Reader schicken zu können halte ich für ein wesentliches Feature moderner Reader. So lassen sich mal schnell Bücher oder Dokumente an den Reader schicken oder gar eine Tageszeitung per E-Mail abonnieren. Aus Produktioner-Sicht habe ich vor einiger Zeit verschiedene digitale Umsetzungen von Zeitungen getestet. Bei vielen Tablet-Lösungen ist mir aufgefallen, dass die Navigation nicht mehr intuitiv funktionierte, man erst einmal lernen muss, wie man von der Kurzansicht zum richtigen Artikel gelangt, dann wieder zurück zur Übersicht oder zum nächsten Artikel wechseln kann. Persönlich gefiel mir letztendlich tatsächlich die schmuckloseste und simpelste Lösung am besten: einige Zeitungen bieten einen E-Mail-Versand in verschiedenen E-Book-Formaten an. Am Beispiel der taz funktioniert das so: am Vorabend des Erscheinungstermin kommt die aktuelle Ausgabe per E-Mail direkt auf den Reader. Die Navigation ähnelt dem Überfliegen einer gedruckten Zeitung. Durch zwei Links am Anfang der Artikel kann man direkt zum nächsten oder vorhergehenden springen. Den aktuell angezeigte Artikel kann man also kurz anlesen und dann entweder mit dem Lesen fortfahren und umblättern oder man überspringt ihn direkt mit dem entsprechenden Link zum nächsten Artikel.

Für den PocketBook-Reader kann man sich eine E-Mail-Adresse beim Dienst pbsync.com anlegen. Hierzu muss man eine vorhandene E-Mail-Adresse angeben, an die künftig eine E-Mail gesendet wird, sobald ein unbekannter Absender versucht eine Datei an den PocketBook-Reader zu senden. Im Testlauf hat sich herausgestellt, dass nicht alle E-Mails den Reader auch wirklich erreichten. Leider gibt es für die PocketBook-Adresse auch kein Interface über das man die Absender und empfangenen Dateien verwalten könnte. Eine Rückfrage beim Support von PocketBook wurde zwar schnell bearbeitet, lieferte aber keine hilfreiche Lösung: man empfahl mir lediglich, den Reader auf Werkseinstellung zurückzusetzen und dann noch einmal den E-Mail-Empfang zu überprüfen. Ein Workaround fiel mir dennoch schnell ein: Da der PocketBook ja über die Dropbox-Integration verfügt habe ich eine Google Mail-Adresse eingerichtet, deren Anhänge per IFTTT in das entsprechende Dropbox-Verzeichnis gespeichert werden. Läuft.

Read it later
Manchmal entdeckt man nebenbei einen spannenden Artikel im Netz, den man gerne in Ruhe lesen möchte. Solche Artikel speichere ich mir mit Instapaper. Der Dienst bietet Apps und Bookmarklets für eine Fülle an Geräten und Browsern an, sodass ich – egal wo ich gerade etwas entdecke – mit einem Klick Webseiten zwischenspeichern kann. Sogar direkt aus meinem RSS-Reader feedly heraus. Alle Artikel aus der Warteschlange lasse ich mir zu einer vorher definierten Uhrzeit einmal täglich per E-Mail als E-Book an den Reader senden. Dort kann ich sie dann in Ruhe und gebündelt lesen, zwar ohne Bilder und Videos, aber diese Funktion verwende ich ja ohnehin nur für längere Texte. Sollte mir ein Artikel gefallen, bietet die E-Book-Zusammenstellung am Ende eines jeden Artikels einen Link zum Archivieren an. Dieser Link kann über Instapaper wiederum so konfiguriert werden, dass der Artikel automatisch bei Pinboard oder in Evernote gespeichert wird, dies funktioniert auch gut mit dem eher rudimentären Browser des kindle.

Doch leider bietet Instapaper den Versand der Zusammenstellung nur für E-Mail-Adresse an, die zum kindle gehören. Einen Rückfrage beim Support hat ergeben, dass aktuell nicht geplant sei, dies zu ändern, aber zumindest wurde der Wunsch als Feature-Request aufgenommen. Auch der Instapaper-Konkurrent Pocket bietet einen Versand an, dort aber ausschließlich an Kobo-Reader. Diese Einschränkung auf bestimmte Reader finde ich sehr schade. Ein Workaround fällt mir leider nicht ein, Pocket und Readability hätten zwar auch IFTTT-Schnittstellen, aber ich möchte nicht jeden Artikel als einzelne Datei bekommen. Bleibt vermutlich im Zweifel nur der Ausweg, sich selbst ein Tool zu entwerfen, dass die Zusammenstellung erstellt.

Noch kurz zum Reader selbst
PocketBook Touch Lux Beim Lesen auf dem Gerät gibt es nichts auszusetzen. Beim Display handelt es sich um E-Ink »Pearl« mit einer Auflösung von 758 × 1024 Pixeln und 212 dpi Auflösung sowie einer einstellbaren Beleuchtung. Das Schriftbild lässt sich in allen wesentlichen Optionen individualisieren. Die Vielfalt der unterstützen Formate spricht ebenfalls für sich: ePub (mit und ohne DRM), PDF (mit und ohne Adobe-DRM), fb2, fb2.zip, txt, DjVu, html, doc, docx, RTF, PRC, chm, TCR sowie jpeg, bmp, png und tiff. Lediglich die Geschwindigkeit des Geräts lässt im Vergleich zum kindle deutlich zu wünschen übrig. Die Konfiguration und Navigation durch die Menüs ist träge und auch die Umblättergeschwindigkeit ist langsamer, als beim kindle. In der Praxis halte ich diese aber für ausreichend und gehe davon aus, dass dies auch beim Touch Lux 2 noch etwas schneller gehen dürfte:

// Update, 18.4.2014:  Ich hatte das Vergnügen, mich als Gast im Papiergeflüster Podcast Nr. 8 mit Simone Dalbert und Oliver Plaschka über das Thema Pocketbook E-Book-Reader zu unterhalten.

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